So., 21. Juni 2026, 17 Uhr

DUSHA- Musique Tzigane

Wehmütige Melodien, feurige Rhythmen

Flora Thalassa, Violine

Ludovit Kovac, Cymbal

Désirée Senn, Violine &Violoncello

Rebekka Weber, Piano

Die Musik der Roma ist eine Geschichte der Begegnung. Seit ihrer Wanderung aus Indien im 14. Jahrhundert haben die Roma-Musiker die Klänge der Länder, die sie durchquerten, wie ein Schwamm aufgesogen und zu etwas völlig Neuem geformt. Dieser faszinierenden Tradition verschreibt sich das Quartett DUSHA – ein Name, der in allen slawischen Sprachen schlicht „Seele“ bedeutet.
Das Ensemble nimmt sein Publikum mit auf eine Reise durch den Osten Europas, dorthin, wo sich die Wege der Roma und der jüdischen Klezmorim kreuzten. Auf gemeinsamen Festen beeinflussten sich diese Kulturen gegenseitig so stark, dass daraus ein leidenschaftlicher Stilmix entstand, der später sogar klassische Komponisten wie Brahms oder Granados zu ihren berühmten Werken inspirierte.
Im Zentrum des Programms steht die emotionale Bandbreite der Roma-Musik: Wehmütige Melodien voller Sehnsucht und Melancholie treffen auf rassige Rhythmen und überschäumende Lebensfreude. Ergänzt wird dieses Repertoire durch Klezmer-Klänge und spanische Einflüsse, die die weite Reise der Roma widerspiegeln.

Die Entstehung des Quartetts DUSHA selbst ist dabei eng mit einer besonderen Freundschaft verknüpft. Die beiden Schaffhauser Musikerinnen Désirée Senn und Rebekka Weber, die bereits in ihrer frühen Jugend von der unbändigen Energie der Romamusik fasziniert waren, trafen vor zehn Jahren auf das Straßburger Ehepaar Flora Thalassa und Ludovit Kovac. Beide stammen aus traditionsreichen Roma-Musikerfamilien und bringen eine beeindruckende internationale Expertise in das Ensemble ein. In ihrer Laufbahn arbeiteten sie bereits mit Weltstars wie dem Komponisten Mikis Theodorakis, dem Jazz-Gitarristen Biréli Lagrène, dem Ausnahmegeiger Gilles Apap oder den legendären Gipsy Kings zusammen. Was ursprünglich als ein Lernen bei den Meistern begann, entwickelte sich über ein Jahrzehnt des regelmäßigen Austauschs zu einer tiefen menschlichen und künstlerischen Verbundenheit, die die Grundlage für ihre gemeinsamen Auftritte legte.
Das Klangbild des Quartetts besticht durch eine seltene Authentizität. Zu den ineinanderfließenden, verspielten Melodien der Violinen und den harmonischen, rhythmischen Bässen des Klaviers gesellt sich das faszinierende Cymbal. Dieses mit dem Hackbrett verwandte Instrument war aufgrund seiner Transportfähigkeit ein ständiger Begleiter auf den Reisen der Roma und lässt bis heute die unverwechselbare, silbrig-glänzende Farbe der östlichen Länder aufleben. DUSHA lädt das Publikum ein, in diese lebendige Tradition einzutauchen und die verbindende Kraft der Musik neu zu entdecken.
Rebekka Weber
Ein prägendes Erlebnis im Alter von vier Jahren war die Begegnung mit Flamencomusik und -tanz in Spanien. Dazu kam die Inspiration durch den Onkel, den sie auf dem Klavier improvisieren hörte. Später bekam Rebekka von ihm auch das erste Klavier geschenkt und sie nahm klassischen Unterricht in Klavier und Gesang. Verschiedene kreative Ausdrucksformen sind für Rebekka zentral: Sie absolvierte die Kunstgewerbeschule in Zürich, bildete sich zur Musiklehrperson aus und besuchte Tanzkurse (Flamenco und internationaler Volkstanz) und Perkussionskurse. Die Improvisation am Klavier wurde immer wichtiger, diese setzt sie auch in ihrer langjährigen Tätigkeit als Organistin ein. Als Rebekka nach Schaffhausen zog, traf sie auf Désirée Senn und – für dieselbe Musik begeistert – gründeten sie das Duo Gadsche, mit Schwerpunkt Musik aus dem Balkan. Die beiden unternahmen zusammen Musikreisen nach Albanien und Rumänien, wo sie Romas, unter anderem den Musikern von Fanfare Ciocârlia und Taraf de Haïdouks begegneten.

Désirée Senn
Désirée Senn ist ein einem musikalischen Elternhaus in Schaffhausen aufgewachsen und bekam mit 8 Jahren klassischen Cellounterricht bei einer ungarischen Cellolehrerin. Ein Spanienbesuch als Kind, wo sie in Bann gezogen wurde von einer Flamencovorstellung, regte sie als junge Erwachsene zu einer längeren Spanienreise an. Auch die Musik der östlichen Romas faszinierte sie.Durch Mitwirkungen bei verschiedenen Theaterprojekten als Musikerin und Schauspielerin öffnete sich der musikalische Horizont. Désirée Senn begann eigene Musik zu entwickeln und lernte weitere Instrumente, wie Klavier, Akkordeon und Gesang. Mit 30 Jahren bekam Désirée Senn die Geige ihrer Grossmutter und brachte sich das Spiel selbst bei. Mit verschiedenen Theater- und Musikgruppen (Theater Sgaramusch, Alfiresli, Chansonnerie, Psödo, Flamencos en Route, Clo Bisaz, Programm mit vertonten Wilhelm Busch Gedichten) gab sie unzählige Konzerte und tourte durch viele Länder Europas. In Schaffhausen ist Désirée Senn pädagogisch an der Primarschule  und im Atelier für Musikimprovisation und Musiktherapie tätig.Immer interessiert an der Musik anderer Kulturen nahm Désirée Senn Kontakt zu Strassenmusikern auf und machte gemeinsame Projekte mit albanischen, slowakischen und iranischen Musikern. Sie unternahm Musikreisen mit Rebekka Weber nach Albanien und Rumänien, wo sie die Musik eingebettet in ihrer Kultur erlebte.
Flora Thalassa
Im Alter von 4 Jahren hörte Flora in Strassburg ein Konzert des legendären Cymbalisten Toni Iordache und wollte ihm darauf selber auf der Geige vorspielen. Seit Flora Toni Iordache auf den Knien gesessen war, wünschte sich Flora innig, die rumänische Musik zu erleben und zu lernen. Die Eltern unterstützen sie dabei und fuhren mit Bus, Autostopp und Zug nach Rumänien und organisierten darauf Konzerte in Strassburg mit Gheorghe Zamfir, Efta Botoca, Marin Chisăr, Manitas de Plata oder Uña Ramos, die im Elternhaus von Flora ein und aus gingen.Für das junge Mädchen war klar, dass sie die Musik zum Beruf machen wollte und sie studierte am Conservatoire de Strasbourg klassische Geige und Klavier. Auch das Orgelspiel, das Arrangieren und Komponieren zeichnet die vielseitige Musikerin aus.Die Begegnung mit Mikis Theodorakis, dem bekannten griechischen Musiker und Politiker, hat sie ermutigt, Volksmusik aus dem Balkan zu spielen. So fand Flora Thalassa auch zur Musik ihrer serbischen und jüdischen Vorfahren zurück. Immer wieder konnte Flora Thalassa mit grossen Musikern wie Zamfir, Chico von den Gipsy Kings oder Nabil Benabdeljalil aus Marokko arbeiten. Am Festival Tzigane in Strassburg lernte sie Ludovit Kovac kennen. Unterdessen sind die beiden verheiratet und haben drei Kinder.
Ludovit Kovac
Ludovit Kovac stammt aus einer Musikerfamilie und ist in Levice in der Slowakei aufgewachsen und lebt in Strassburg, Frankreich. Sein Onkel war Cymbalist und wurde Ludovits erster Lehrer.Später hat er Cymbal am Béla Bartók Konservatorium in Budapest studiert. Dadurch hat Ludovit Kovac die Möglichkeit sowohl mit philharmonischen Orchestern als auch in traditionellen Gruppen aufzutreten.Über die Bekanntschaft mit Marcel Cellier, dem Schweizer Musikethnologen und -produzenten, konnte er Lord Yehudi Menuhin vorspielen. Dieser engagierte ihn darauf in den Cirque Royal und den Palais Européen in Brüssel. Immer wieder konnte Ludovit Kovac mit grossen Musikern wie dem Gitarristen Biréli Lagrène oder dem Filmmusiker Michel Legrand zusammenarbeiten. Am Festival Tzigane in Strassburg lernte er Flora Thalassa kennen, mit der er nun verheiratet ist und drei Kinder hat. Ludovit Kovac spielt in einem international tourenden Orchester live zum Film „Herr der Ringe“, tritt im Orchester der Oper Paris auf und gibt ausserdem regelmässig Konzerte mit Gilles Apap und dem Quatuor Colors of Invention.